r steigt und steigt und steigt: Der =D6lpreis erreichte am Dienstag mit
fast 121 Dollar ein neues Rekordhoch. Der ehemalige US-
Regierungsberater Matthew Simmons hat die teuren Notierungen in seinem
Buch "Wenn der W=FCste das =D6l ausgeht" schon vor drei Jahren
vorhergesehen. Die F=F6rdermenge sei seit 2005 nicht mehr zu erh=F6hen,
sagt er.
SZ: Herr Simmons, Sie waren 2006 einer der Ersten, die einen =D6lpreis
von 200 Dollar je Fass prognostizierten, und zwar f=FCr 2010. Bleiben
Sie dabei?
Simmons: Ob es nun 2009, 2010 oder 2011 soweit sein wird, kann ich
nicht genau sagen. Das h=E4ngt ja auch stark vom Wert des Dollar ab, in
dem die meisten =D6llieferungen abgerechnet werden. Ein schwacher Dollar
hat deshalb in der Regel einen steigenden =D6lpreis zur Folge. Aber es
gilt: =D6l ist knapp und daher teuer.
SZ: Kann die =D6lf=F6rderung denn nicht mehr gesteigert werden?
Simmons: Nach allen Informationen, die Experten zur Verf=FCgung stehen,
und auf Basis meiner 40-j=E4hrigen Erfahrung zum Thema bin ich
=FCberzeugt, dass der H=F6hepunkt der =D6lf=F6rderung, also der sogenannte
Peak Oil, bereits 2005 erreicht worden ist. Damals wurden im Schnitt
73,8 Millionen Barrel =D6l t=E4glich gef=F6rdert. Im Dezember 2007 waren
wir=
mit 73,3 Millionen Barrel nochmal nahe dran, aber nicht dar=FCber - und
das, obwohl die Nachfrage nach =D6l in diesem Zeitraum gestiegen ist.
SZ: Der =D6lbedarf liegt ungef=E4hr zehn Millionen Barrel h=F6her als das
von Ihnen genannte Angebot, n=E4mlich bei 85 Millionen Barrel. Wie passt
das zusammen?
Simmons: Die Nachfrage liegt in der Tat seit Jahren h=F6her als das
Angebot an reinem =D6l. Der zunehmende Unterschied wird ausgeglichen,
indem Gas, das bei der =D6lf=F6rderung mit anf=E4llt, mit aufwendiger
Technik heruntergek=FChlt und verfl=FCssigt wird. Dieses Fl=FCssiggas wird
dann mit der =D6llieferung mitverkauft.
SZ: Die Suche nach =D6lfeldern ist verst=E4rkt worden. Selbst in
Deutschland wird nun wieder nach =D6l gebohrt...
Simmons: Was dort passiert, ist nett, aber ein Tropfen auf den hei=DFen
Stein.
SZ: Vor Brasilien soll das drittgr=F6=DFte =D6lfeld der Welt entdeckt
worden=
sein.
Simmons: Wenn es wirklich die diskutierten 33 Milliarden Barrel =D6l
hergeben sollte, w=E4re es der gr=F6=DFte =D6lfund in 30 Jahren. Aber das
glaube ich nicht. Die Fachleute, mit denen ich rede, rechnen eher mit
eineinhalb Milliarden Barrel an f=F6rderbaren Reserven. Die Brasilianer
m=FCssen weit mehr als 2000 Meter tief bohren und eine harte Salzschicht
=FCberwinden. Die Ger=E4te dazu kosten 250 bis 350 Millionen Dollar. Wenn
=FCberhaupt, dauert es Jahre, bis das Feld erschlossen ist.
SZ: Die meisten Experten rechnen damit, dass die =D6lnachfrage weiter
steigt. Sie stellen zugleich die neuesten =D6lfunde infrage. Was wird
passieren?
Simmons: Die Sache wird wie immer an knappen M=E4rkten =FCber den Preis
geregelt werden. Es kann sein, dass bei der ein oder anderen aktiven
Quelle noch kurzfristig ein wenig mehr herausgepresst werden kann.
Dazu muss man mehr Wasser in die Quellen pumpen, um den Druck zu
erh=F6hen, wie es ja schon jetzt gemacht wird. Dieses Vorgehen hat aber
zur Folge, dass die Quellen schneller versiegen. Derzeit wird der
Bedarf noch dadurch ausgeglichen, dass Lagerbest=E4nde stetig verringert
werden, sowohl bei Roh=F6l als auch bei Benzin. Mittelfristig wird der
=D6lpreis weiter steigen.
SZ: Die Organisation Erd=F6l exportierender L=E4nder (Opec) hat
angek=FCndigt, bis 2012 etwa 200 Milliarden Dollar investieren zu
wollen, um wenigstens f=FCnf Millionen Barrel =D6l pro Tag mehr f=F6rdern
zu=
k=F6nnen. Das klingt ermutigend.
Simmons: Soll die Opec machen. Doch ich zweifele am raschen Gelingen.
Zwischen dem Entdecken einer =D6lquelle und der F=F6rderung k=F6nnen bis
zu
zehn Jahre vergehen. Wir haben aber heute bereits einen Engpass, auch
wenn die Verantwortlichen in vielen Industriestaaten das nicht
wahrhaben wollen.
SZ: Sie glauben also, das =D6lproblem wird untersch=E4tzt. Warum?
Simmons: Es wird untersch=E4tzt, weil bisher alles gut gegangen ist und
es menschlich ist, zu denken, dass es weiter so l=E4uft. Tats=E4chlich
lebt die Industrie ja recht gut mit dem steigenden =D6lpreis. Das ist
kein Wunder, denn verglichen mit anderen G=FCtern ist =D6l immer noch sehr
billig. So kostet eine Tasse Kaffee im Schnitt 2,50 Dollar, ein Glas
Wein f=FCnf Dollar, ein Glas Wasser 80 Cent. Eine Tasse =D6l ist schon
f=FCr=
18 bis 20 Cent zu haben, und sie k=F6nnen damit ein gro=DFes Auto ein
gutes St=FCck transportieren.
SZ: Was empfehlen Sie, um trotz hoher =D6lpreise gut leben zu k=F6nnen?
Simmons: Alle m=FCssen den G=FCrtel enger schnallen und langfristig mehr
mit Alternativen zum =D6l arbeiten. Wenn wir es schaffen, den Verbrauch
um ein Drittel zur=FCckzuschrauben, k=F6nnten wir uns damit ein bis zu 50
Jahre l=E4ngeres =D6lzeitalter erkaufen.
Der US-Rohstoffexperte Matthew Simmons sagt einen Preis von 200 Dollar
je Barrel voraus, denn das Angebot an schwarzem Gold ist nicht mehr zu
steigern.
Interview: Simone Boehringer


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